Freie Trauung – Wie ihr sie ganz individuell plant

von Manuela Völkl
Freie Trauung

Für euch beide steht fest: Ja, wir wollen den Rest unseres Lebens miteinander verbringen! Damit ist die wichtigste aller Entscheidungen schon getroffen. Doch wie geht es jetzt weiter?

Ums Standesamt kommt in Deutschland keiner herum, der rechtskräftig verbunden sein möchte. Viele Paare wünschen sich aber mehr als nur das. Sie wollen eine individuelle Zeremonie, die ihre Geschichte und die Liebe feiert. Lange Zeit war das nur in der Kirche möglich. Zum Glück ändern sich die Zeiten. Heute kann jedes Paar, unabhängig von Geschlecht und Konfession, ihre unvergleichliche Trauung bekommen. Wie? Mit einer freien Trauung.



1. Was ist eine freie Trauung?

Eine freie Trauung ist vor allem eins: Frei. Das bedeutet: Wann ihr wollt, wo ihr wollt und wie ihr wollt. Es gibt keine Vorgaben, keine Regeln. Und das verunsichert erst einmal gewaltig. Wenn es doch keine Regeln gibt, woher sollen wir wissen, wie es „richtig“ geht? Diese Unsicherheit möchte ich euch nehmen und euch die wichtigsten Tipps für die Planung eurer freien Trauung mit an die Hand geben.

2. Sucht euch den passenden Profi für eure freie Trauung!

Was der Standesbeamte im Standesamt und der Pfarrer in der Kirche, das ist bei einer freien Trauung der Trauredner. Grundsätzlich unterscheidet man freie Theologen und freie Redner. Die Theologen haben, wie der Name schon sagt, einen religiösen Hintergrund. Wenn ihr euch also Gottes Segen wünscht, aber nicht klassisch kirchlich heiraten könnt oder wollt, dann ist ein freier Theologe sicher eine gute Wahl für euch. Freier Trauredner dagegen ist kein geschützter Begriff und erfordert keine spezielle Ausbildung. Deswegen werdet ihr die verschiedensten Menschen in diesem wundervollen Beruf finden. Bevor ihr an die Recherche geht, könnt ihr euch schon ein paar Gedanken machen: Wollen wir einen Mann oder eine Frau? Älter oder jünger? Stellt euch den Moment eures Ja-Worts vor und überlegt, welche Art von Redner ihr vor eurem inneren Auge seht.

Wie immer in der Hochzeitsplanung spielt natürlich Geld eine große Rolle. Eine freie Trauung bedeutet eine Vorbereitungszeit von 20-30 Stunden, auch wenn ihr am Ende „nur“ 45 Minuten davon seht. Trotzdem solltet ihr euch dessen bewusst sein, wie viel Arbeit in eurer einzigartigen Trauung steckt und entsprechend realistisch auf die Preise schauen. Realistisch bedeutet: Alles zwischen 700 und 1200 Euro. Angebote, die weit unter oder weit über diesem Preis liegen, solltet ihr sehr kritisch hinterfragen. Das Internet ist in der Recherche Gold wert. Die Homepage kann euch schon viel verraten: Esoterisch, verspielt, romantisch, pragmatisch, elegant, humorvoll? Sprechen euch die Texte an? Trotzdem definitiv unverzichtbar: Ein unverbindliches persönliches Treffen!



Mit diesem Menschen werdet ihr so viel Persönliches teilen, da muss die Chemie einfach stimmen. Und das findet ihr nur bei einem zwanglosen Gespräch heraus. Hört einfach auf euer Bauchgefühl! Viele Trauredner arbeiten deutschlandweit. Ich bin der Meinung (und das gilt für alle Dienstleister): Unterstützt eure Region. Was nützt euch ein sympathischer Redner aus Norddeutschland, wenn ihr eine Trachtenhochzeit in Niederbayern feiern wollt? Außerdem spart ihr euch so in der Regel jede Menge Fahrtkosten und könnt vom lokalen Netzwerk und der Erfahrung der Profis profitieren.

Freie Trauung 2

3. Das erste Gespräch und Grundsatzentscheidungen

Ich persönlich möchte den Paaren schon beim Kennenlerngespräch möglichst viele nützliche Informationen an die Hand geben, unabhängig davon, ob sie mich am Ende buchen oder nicht. Die meisten Paare haben noch nie frei geheiratet und waren noch auf wenig freien Trauungen. Deswegen wissen sie oft gar nicht, worauf sie sich einstellen müssen. Mit meinen Fragen möchte ich ihnen die Möglichkeiten zeigen und zum Nachdenken anregen. Das ergibt sich meistens schon dann, wenn ich über einen beispielhaften Ablauf spreche:

  • Heiratet ihr im Freien? Wenn ja, gibt es Beschattung und einen Plan B bei schlechtem Wetter? Wird es Musiker geben?
  • Wollt ihr gemeinsam einziehen oder wartet der Bräutigam auf seine Braut? Wenn die Braut alleine einzieht, dann am Arm des Vaters oder mit Blumenkindern? Oder doch ganz anders – erst tanzt der Bräutigam mit seinen Kumpels herein, dann die Freundinnen mit der Braut?
  • Möchtet ihr nach der Traurede beim Ja-Wort einen klassischen Ringtausch? Oder wünscht ihr euch ein anderes, individuelles Ritual für die Trauung? Sprecht ihr selbstverfasste Gelübde oder möchtet ihr auf die Fragen des Redners antworten?
  • Sollen die Gäste miteinbezogen werden, zum Beispiel, indem sie euch gute Wünsche aussprechen oder ihr etwas mit den Gästen teilt? Gibt es wichtige Menschen, die nicht mehr da sind, denen ihr gedenken wollt? Möchtet ihr jemandem Danke sagen?

Grundsätzlich gilt: Ihr solltet irgendwie an den Ort des Geschehens kommen und ihn danach wieder verlassen. Ansonsten kann alles und nichts muss.

Keine Sorge, ein professioneller Trauredner erwartet nicht von euch, dass ihr all diese Fragen sofort beantworten könnt. Sie sollen euch Ideen davon geben, was möglich ist und euch zum Nachdenken bringen.



4. Findet euren einzigartigen Stil und euer Ritual

Meine Paare haben meistens nach dem Erstgespräch schon eine gute Idee davon, wie sie ihre freie Trauzeremonie gestalten wollen. Am Wichtigsten dabei ist: Verstellt euch nicht und versucht nicht, es anderen recht zu machen. Eure Hochzeit, euer Ding! Und nur, weil überall im Internet vom Sandritual oder Ringritual die Rede ist, müsst ihr das nicht machen. Ihr seid eher pragmatisch als romantisch? Dann ist eine überkandidelte Zeremonie nichts für euch. Die meiste Zeit lacht ihr euch über irgendetwas schief? Also sollte auch eure freie Trauung die richtige Prise Humor mitbringen.

Überlegt euch, was euch beide verbindet. Ihr habt euch in einer Cocktail-Bar kennengelernt? Perfekt! Mischt beim Ja-Wort einen Cocktail und trinkt ihn gemeinsam mit den Gästen. Eines meiner Paare verbindet der Job, beide sind Chemiker. Wir planen ein (natürlich ungefährliches) Experiment mit verschiedenen Chemikalien, die zusammen überschäumen wie ihre Liebe. In eurer Geschichte gibt es sicher Meilensteine oder gemeinsame Leidenschaften, die perfekt für ein Ritual geeignet sind. Im Idealfall gibt euch eure Traurednerin viele Ideen mit auf den Weg, sodass am Ende eine unvergleichliche Trauung herauskommt.

Zum Schluss noch mein wichtigster Rat für alle Paare:

Heiratet doch, wie ihr wollt! Ihr seid einzigartig und genauso sollte eure Hochzeit sein. Egal, was Konventionen oder „das hat man immer schon so gemacht!“ sagen.

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