Alles vom Profi über die moderne Hochzeitsreportage

von Rossi Mechanezidis
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Als verlobtes Paar, das mit der Hochzeitsplanung beginnt, ist man oft erst mal völlig überfordert ob der gefühlt unendlich großen Fülle an Möglichkeiten, die plötzlich auf einen zustürzen. Welche Location? Elegantes Schloss oder Dorfgemeinschaftshaus, Wiese im Wald oder alte Waggonhalle? DJ oder Band? Ach, diese verdammten Entscheidungen! Und…. ja, was ist eigentlich mit Fotografie?

Und hier will ich versuchen, euch als (meist jedenfalls ;)) zum ersten Mal heiratenden Paar ein paar Tips mit auf den Weg zu geben, damit ihr zum einen zumindest ein paar der Fragen, die sich euch sicherlich stellen, beantwortet bekommt und nicht weiter im Dunkeln tappt. Und womöglich am Ende Entscheidungen trefft, die ihr später bereut. Und zum anderen will ich euch Ratschläge schenken, die euer  Nervenkostüm definitiv entlasten werden und euch helfen, schnelle Entscheidungen zu treffen (und das nicht nur auf die Wahl eures Hochzeitsfotografen bezogen).

Nun denn, was zum Onkel Bob nochmal ist eigentlich eine „Hochzeitsreportage“? Und wer ist dieser Onkel Bob und was hat der damit zu tun? Letzteres beantworte ich euch im Verlauf dieses Artikels, das sei euch versprochen. 🙂

Also, first things first:



1. Was ist eine Hochzeitsreportage?

Eine Hochzeitsreportage ist im Grunde nichts anderes als eine fotografische Dokumentation eures Hochzeitstages. Und dazu bucht ihr idealerweise einen Hochzeitsfotografen, der zu euch passt wie Arsch auf Eimer! Denn Hochzeitsreportage ist nicht gleich Hochzeitsreportage!

Es gibt Reis, Baby!

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2. Was gehört alles zu einer runden Reportage?

Bei vielen Paaren hält sich beim Stichwort „Hochzeitsfotos“ noch hartnäckig die Vorstellung, ein paar halbwegs schöne Bilder während und von der Trauung sowie ein paar klassische gestellte Paar-Fotos und Gruppenporträts würden vollkommen genügen. Seit etwa einer Dekade hat die Hochzeitsfotografie jedoch  (glücklicherweise) einen riesigen Evolutionssprung gemacht und sich vom angestaubten Image kitschiger und muffig anmutender und statischer Studio-Fotografie befreit. Hochzeitsfotografen von heute begleiten eine Hochzeit mit der Intention einer richtigen Reportage, einer fotografischen Dokumentation ganz im Sinne der Street-Fotografie.

Ein Hochzeitsfotograf muss zudem gleich mehrere fotografische Themenbereiche beherrschen, wo er idealerweise mit viel Erfahrung punktet – zum Thema „Erfahrung“ aber später mehr beim Punkt „Wie finde ich meinen passenden Hochzeitsreportage-Fotografen?“. Ein guter Hochzeitsfotograf muss nicht nur in der Reportagefotografie versiert sein, sondern ebenfalls in unterschiedlicher Gewichtung in der  Fashion-, Porträt- und Architektur-Fotografie. Und wenn er dann auch noch kreativ blitzen kann, umso besser. Aber dazu später ebenfalls mehr.

Okay, ein Hochzeitsfotografen muss also her! Vielleicht für die Trauung also und ein paar Paar-Bilder, also so für 2 Stündchen?

Nun, das wird eher schwierig werden. Denn die wirklich guten und gefragten Hochzeitsfotografen machen in der Regel an Freitagen und Samstagen in der Hauptsaison (also etwa von April bis Oktober) keine Begleitungen unter 6, 7 oder 8 Stunden. Viele sind sogar nur für den ganzen Tag buchbar, also für 10 oder 12 Stunden mindestens. „So lange? Ist das denn wirklich nötig?“, werdet ihr euch vielleicht fragen. Nein, natürlich ist es nicht nötig. Aber es ist die vielleicht beste Entscheidung neben eurem „Ja!“ zueinander, die ihr für euren Hochzeitstag treffen könnt.

Am Ende habt ihr nicht nur einfach Fotos von eurem Hochzeitstag, sondern emotional geladene Bilder – oft auch wahre Kunstwerke – die  auch noch in Jahrzehnten und darüber hinaus euch und euren Lieben diesen besonderen Tag wieder in Erinnerung rufen, als wäre es gestern gewesen. Erinnerungen sind ungemein wertvoll, und eine Hochzeitsreportage gießt diese Erinnerungen in ein visuelles Gefäß – in eine runde, schöne Story.



3. Stört das nicht, wenn einem der Hochzeitsfotograf den ganzen Tag wie eine Klette an der Pelle hängt?

Auch hier kann ich euch beruhigen! Denn das Gegenteil ist der Fall. Vorausgesetzt, ihr habt euren Hochzeitsfotografen vor allem auch nach Sympathie gewählt und nicht nur nach dem günstigsten Preis. Denn je früher euer Hochzeitsfotograf euch mit der Kamera begleitet, desto schneller gewöhnt ihr euch an ihn und die Kamera.

Je besser ihr mit eurem Fotografen auch auf menschlicher Ebene harmoniert, desto mehr Vorteile bringt das nicht nur für euch, sondern auch für die ganze Hochzeitsreportage mit sich:

Je näher er an euch „rankommt“ (und auch an die Gäste natürlich), desto eher wird er quasi „unsichtbar“ und nicht als störend wahrgenommen, sondern vielmehr als ganz selbstverständlicher Teil der Hochzeitsgesellschaft.

Ich werde z.B. sehr oft im Laufe des Tages von Gästen gefragt, woher ich das Paar denn kennen würde und ob wir befreundet wären. Solch eine Frage ist das größte Kompliment, das man als Hochzeitsfotograf bekommen kann! Und: Weil er so nah an euch herankommen kann, werden die Bilder viel emotionaler auf euch und eure Gäste wirken, als wenn der Hochzeitsfotograf von weit weg entfernt stehend und nur mit Tele-Brennweiten arbeitet.
Und das ist ganz simple Psychologie:

Denn ein mit einer Telebrennweite (von einem entfernteren Standpunkt aus) fotografierter Moment vermittelt dem Betrachter eher das Gefühl, als unbeteiligter Beobachter lediglich „dabei“ zu sein. Bilder jedoch, die mit weitwinkligeren Brennweiten (35mm bis 20mm z.B.) entstehen, lassen den Betrachter wiederum regelrecht in den Moment eintauchen, als wäre er mittendrin im Geschehen. Und Nähe erzeugt nun mal große Emotionen.

Ein emotionaler Moment während der Gratulationen – ganz nah dran mit 35mm.

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4. Aus welchen Elementen besteht also eine komplette Hochzeitsreportage?

Eine „rund“ erzählte Hochzeitsreportage beginnt idealerweise mit dem „Getting Ready“ dem Styling und sich-Fertigmachen – daheim, in der Location selbst oder beim Friseur. Es kann aber auch noch früher losgehen!  Es gab z .B. Mal ein Paar, das ich bereits von einer anderen Hochzeit her kannte, wo ich bereits tags zuvor anreiste und bei ihnen im Gästezimmer übernachtete. Und so starteten wir mit der Hochzeitsreportage bereits morgens um 7 Uhr in der Früh! Ungeschminkt und ungestyled, beim Bäcker gegenüber bei Brötchen und Kaffee und mit noch dunklen Rändern unter den Augen. Wenn man als Fotograf so viel Vertrauen geschenkt bekommt, ist das das tollste, was einem passieren kann.

Die Braut beim Getting Ready

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Ja, es kam sogar schon vor, dass ich quasi mit dem Bräutigam duschen gegangen bin. Als ich beim Getting Ready des Bräutigams am fotografieren war und der Bräutigam duschen ging, fragte ich ihn einfach, ob ich dabei ein paar Bilder machen könnte. Warum auch nicht?

Das ist ja der Sinn einer Reportage. Den Tag zu erzählen, wie er passiert und nah dran zu sein am Geschehen. Und Momente für euch festzuhalten, die vielleicht am Tag selbst als völlig banal und unwichtig erscheinen, aber später beim Anschauen der Bilder euch auch die Erinnerungen „zwischen“ den Momenten frisch halten und für die Ewigkeit konservieren. Momente der totalen Ruhe, an denen man ganz für sich ist, fern von allem Stress.
Kleine, unscheinbare, aber wertvolle Erinnerungen!

Mit dem Bräutigam unter die Dusche 😉

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Nach dem „Getting Ready“ geht es logischerweise so langsam aber sicher auf Richtung Trauung zu. Viele Paare möchten den „First Look“ – das erste Aufeinandertreffen des Paars an ihrem Hochzeitstag – vor der Trauung mit ein paar ruhigen Momenten zelebrieren, und auch da begleitet euch euer Fotograf gerne und hält dezent agierend diese hochemotionalen Momente für euch fest.

The first look…

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Auch das Brautpaar-Porträtshooting möchten viele Paare lieber vor der Trauung planen als danach. Der Vorteil: Das Shooting nimmt euch ein wenig die Aufregung, die kurz vor der Zeremonie unzweifelhaft herrschen wird und macht euren Kopf frei! Und auch eure Gäste müssen nicht ungeduldig auf euch warten, wenn ihr erst nach dem Sektempfang zum Paar Shooting verschwindet. Ich höre immer wieder von Hochzeiten, auf denen die Gäste nach der Trauung bis zu 3 Stunden auf das Brautpaar warten mussten – mit hungrigem Magen und dementsprechend gereizter Laune. 😉

Ich persönliche mache es inzwischen so, dass ich die Porträts nicht nur in einem einzigen langen „Shooting-Block“ fotografiere, sondern über den Tag hinweg auf 2 oder 3 kleine Parts splitte. Und zudem auch immer wieder im Laufe des Tages kleine spontane Ideen mit dem Paar verwirkliche. Denn Kreativität lebt auch von Spontanität, und über den Tag verteilt entstehen so viele tolle „Moods“. Und auch für euch sind solche kleinen spontanen „Auszeiten“ oft eine wahre Wohltat, in denen ihr für einige Minuten ganz für euch sein und durchschnaufen könnt.

Ein erfahrener Hochzeitsfotograf hat ein Gespür für gutes Licht und hilft euch beim Finden von Posings, die dennoch natürlich und nicht gestellt wirken.

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Während der Trauungs-Zeremonie – sei es eine standesamtliche, eine kirchliche oder eine Freie Trauung – wird sich ein achtsamer Fotograf nicht wie ein Elefant im Porzellanladen bewegen, sondern sich idealerweise  schon vorher beim Geistlichen bzw. Standesbeamten oder Trau-Redner erkundigen, ob es bestimmte Dinge zu beachten gibt. Ich selbst hatte bisher das Glück, fast immer alle Freiheiten zu haben und mich sogar hinter dem Altar bewegen zu dürfen. Je mehr Freiheiten euer Fotograf hat, desto interessantere Perspektiven kann er einfangen – und so auch ganz und gar erstaunliche Momente erwischen…

Aber auch sonst wird euch euer Fotograf in den wichtigsten Momenten nicht von der Seite weichen, vor allem beim Ja-Wort.

Während der Zeremonie von hinter dem Altar aus fotografiert: „Smokin´ Grandpa and the Furious Three“ 😉

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… der Moment kurz vor dem „Ja“…

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…und kurz danach…

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Nach der Trauung kommt einer der Parts, die ich immer sehr genieße. Der entspannte Sektempfang kurz nach der Zeremonie! Die erste Anspannung ist verschwunden und es wird nun wunderbar chaotisch, zwanglos und einfach nur schön! Die Gäste finden zusammen, es wird gequatscht und getratscht und das sind dann die Momente, wo man als Reportagefotograf so richtig in seinem Element ist. Hier legt ein aufmerksamer Hochzeitsfotograf sein Augenmerk nicht nur auf euch, sondern vor allem auch auf all die kleinen Momente drumherum, die ihr höchstwahrscheinlich selbst niemals mitbekommen würdet.

Zeit für einen Schnack…

Hochzeitsreportage

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Nach dem ersten Trubel und den ersten Gläsern Sekt geht es meist zur Feier-Location! Auch da wird euch euer Hochzeitsfotograf auf Schritt und Tritt begleiten. Und dann steht auch bald das lang ersehnte Diner an!

An dieser Stelle auch eine kleine Bitte an alle Brautpaare:

Euer Hochzeitsfotograf wird es euch danken, wenn er gemeinsam mit anderen Gästen an einem Tisch sitzen kann. Denn wenn er mitten unter den Gästen sitzt, wird er spätestens dann nicht mehr als „der Fotograf“ wahrgenommen, sondern viel mehr wie ein Gast und guter Freund. Das ganze hat auch ganz praktische Gründe, denn so kann euer Fotograf  auch zwischendurch während des Diners auf spontan gehaltene Reden oder andere Ereignisse reagieren und diese für euch festhalten.

Ich zum Beispiel nehme mir zwar zum einen ausreichend Zeit, mich in Ruhe am Buffet zu stärken und auch mit den Gästen am Tisch zu schnacken, aber lange hält es mich dann doch nicht auf meinem Platz – denn drumherum passiert immer etwas Unerwartetes! Manchmal muss man mich regelrecht dazu zwingen, mich endlich mal hinzusetzen und ordentlich zuzuschlagen. Es gibt nun mal beim Buffet und während des Diners einfach so viele tolle Momente und Moods, die sich lohnen, sie einzufangen!

Auch beim Diner kann euer Fotograf kreativ werden…

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 …und eine emotionale Rede wird immer gehalten… 🙂

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…natürlich darf auch der Tortenanschnitt nicht fehlen!

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Und dann – oh Yeah! – dann wird so richtig gefeiert! Als Hochzeitsfotograf sage ich zum Party-Part immer: „Der Hochzeitstag ist fotografisch gesehen die Pflicht, jetzt kommt die Kür!“.

Die Party ist auch mein persönlicher absoluter Lieblingsteil der Hochzeitsreportage: Die Stimmung erreicht ihren Höhepunkt, der Dancefloor bebt, es wird getanzt und ausgelassen herumgealbert! Los geht es meistens mit dem Eröffnungstanz des Brautpaares. Hier ist es von Vorteil, wenn euer Hochzeitsfotograf mit Blitzen umgehen kann wie ein Sterne-Koch mit seinem Lieblingslöffel.  Denn natürliches Licht reicht hier meist nicht mehr aus, um die Momente einzufangen, ohne dass es Waschbärenaugen gibt und die Momente im Dunkeln untergehen.

Mit Blitzen kann euer Hochzeitsfotograf zielgenau die Aufmerksamkeit dorthin lenken, wo etwas passiert.
Und auch und gerade auf der Party gilt – jedenfalls für mich persönlich – „nah dran und mittendrin“!

Es darf herumgewirbelt werden!

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Mööööp!

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… Party on!

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… und auch auf der wildesten Party gibt es ruhige Momente…

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Ach ja, da war doch noch was…. der Brautstrauß-Wurf!

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Und dann gibt es noch etwas, was ich als Hochzeitsfotograf am Ende einer Hochzeitsreportage immer sehr gerne mache: Einen richtig epischen „Night shot“! Was das ist? Einfach ein Bild von euch mit viel „Bäääm!“ – ein Bild voller Dramatik, Action und Kreativität, das euren Hochzeitstag fotografisch wunderbar abrunden kann.

Auch hier ist es von Vorteil, wenn euer Hochzeitsfotograf kreativ mit Blitzen umgehen kann – und ein gewisses Gefühl für gutes Timing ist auch nicht verkehrt. Und dann entsteht dabei zum Beispiel so etwas…

Was man in 30 Sekunden in einem einzigen Shot so alles machen kann…

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Wie ihr seht, gibt es so viele Momente während eures Hochzeitstages, die es wert sind, dass man sich an sie erinnert! Euer Hochzeitstag wird an euch vorbeifliegen wie im Flug, das kann ich aus vielen Gesprächen mit Brautpaaren immer wieder bestätigen. Als Brautpaar ist man wie im Rausch, umringt von guten Freunden, herzlichen Verwandten und ganz viel Adrenalin! Und euer Hochzeitsfotograf sorgt dafür, dass ihr euch an all diese Momente später auch noch erinnern könnt – vor allem, wenn zu später Stunde das ein oder andere alkoholische Getränk geleert wurde! 😉

5. Aber Onkel Bob hat auch eine Kamera. Und er fotografiert unsere Hochzeit u m s o n s t!

Da ist er ja endlich, dieser ominöse Onkel Bob! Also, wer ist denn das nun?

„Onkel Bob“ ist im Hochzeitsfotografen-Jargon das Synonym für jemanden, der hier und da ebenfalls gern hobbymäßig fotografiert und sich nicht selten anbietet, eure Hochzeit zu fotografieren – oder den das Brautpaar engagiert, weil er meist nichts kostet. Onkel Bob wird euch womöglich seine “teure Profikamera” präsentieren. Ist das nicht beeindruckend? Denn schließlich macht diese Kamera bestimmt fantastische Bilder und hat sogar noch einen tollen Aufklapp-Blitz!

Wenn ihr Onkel Bob diese höchst verantwortungsvolle Aufgabe der Dokumentation eurer Hochzeit anvertrauen wollt, dann geht doch mal im Geiste folgendes Gedankenspiel durch:

  • Was macht Onkel Bob, wenn seine Kamera kaputt geht?
  • Was macht Onkel Bob, wenn es stressig wird und hektisch?
  • Ist er für Stress und alle möglichen Unwägbarkeiten gewappnet?
  • Kann Onkel Bob kreativ blitzen?
  • Hat Onkel Bob Ahnung von gutem Posing und beherrscht gleichermaßen die Kunst der Reportagefotografie?
  • Macht Onkel Bob wirklich kunstvolle Bilder oder macht er einfach nur Fotos?

Nun, ich denke, ihr merkt schon, worauf ich hinaus will 🙂

Mein gutgemeinter Rat daher: Bürdet Onkel Bob nicht die Verantwortung einer Hochzeitsreportage auf, denn am Ende wird er höchstwahrscheinlich kläglich versagen und das schönste Bild von eurer Hochzeit wird ein verwackeltes und totgeblitztes Bild der Nasenlöcher des Bräutigams sein. Vielleicht geht so etwas noch als abstrakte Kunst durch, aber wahrscheinlicher ist eher der Beginn einer jahrzehntelangen familiären Fehde ob der großen Enttäuschung über Onkel Bobs Fotokünste. Nicht gut! Dann wäre das ja geklärt!

Aber wie findet ihr nun euren passenden Hochzeitsfotografen?



6. Der ultimative Ratschlag für die Wahl eures Hochzeitsfotografen!

Regel Nr. 1: Hört auf euer Bauchgefühl! Immer!

Das ist der allerwichtigste und wertvollste Tip überhaupt! Es klingt banal und liegt ja eigentlich so nahe, aber gerade für das nächstliegendste ist man oft blind! Ratschlag Nummer 1 ist also einer, den ihr bei der Wahl eures Hochzeitsfotografen immer im Hinterkopf behalten solltet – bzw. im Bauch.

Und hier kommen einige weitere wertvolle Tips, die euch helfen werden, die richtige Entscheidung bei der Wahl eures Fotografen zu treffen:

7. Worauf ihr bei der Wahl eures Hochzeitsfotografen achten solltet

Bildsprache und Stil

Die Bildsprache des Fotografen sollte euch sofort ansprechen! Tut sie dies und ihr habt euch in die Bilder, die er auf seiner Webseite zeigt, verliebt, dann ist das höchstwahrscheinlich bereits der perfekte Hochzeitsfotograf für euch! Dazu müsst ihr gar nicht mal wissen, was es alles für unterschiedliche Stile gibt oder wie man sie nennt, denn wichtig ist allein, dass euch das, was ihr seht, sofort auf irgendeine Art und Weise berührt und die Bilder sich mit einem Schlag in euer Herz schleichen.

Konfetti kann man nie genug haben!

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Das Portfolio des Fotografen

Achtet bei der Sichtung von Fotografen-Webseiten darauf, dass ein Hochzeitsfotograf ganze Reportagen auf seiner Webseite zeigt und nicht nur Brautpaar-Porträts und eventuell auf Styled Shoots entstandene Bilder auch als solche kennzeichnet. Achtet auch darauf, dass es mindestens eine Handvoll Reportagen sind, die ihr euch ansehen könnt. Denn je mehr Reportagen ihr mit gleichbleibend hoher Qualität vorfindet, desto sicherer könnt ihr euch sein, dass dieser Fotograf durchgehend auch starke Bilder abliefern kann – und nicht nur hier und da sich aufs Glück verlassen hat.

Das Mindset des Fotografen

  • Schaut euch die „About Me“-Seite des Fotografen an!
  • Spricht euch an, was ihr dort lest?
  • Wie präsentiert sich euch der Fotograf?
  • Was ist sein „Mindset“? Wie beschreibt er sich selbst und wie sieht er seine eigene Arbeit?

Ich zum Beispiel empfinde Floskeln, mit denen viele Fotografen ihre Bilder beschreiben – so wie wie „emotional“ und „authentisch“ – als viel zu diffus und eher nichtssagend. Denn emotional sind Hochzeiten eigentlich immer, und als Adjektiv ist dieses Wort für mich aufgrund seiner inflationären Nutzung schlichtweg kaum noch ernst zu nehmen. Und „authentisch“… Nun ja, auch der schlechteste Fotograf kann authentisch sein – authentisch schlecht 😉 Aber das ist nur meine ganz persönliche Ansicht.

Wie auch immer – wenn euer Bauchgefühl euch auch hier sagt, dass das, was ihr über diesen Fotografen lest, für euch sehr sympathisch klingt: Bingo!

Ich nehme mich selbst nicht so ernst. Aber meine Berufung, die nehme ich ernst. Und das ist die Hochzeitsfotografie!

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Nachvollziehbare und sehr gute Rezensionen anderer Paare

Hat euer Hochzeitsfotograf nicht wenige durchgehend sehr gute Google-Bewertungen und/oder nachvollziehbare tolle und begeisterte Testimonials auf seiner Seite? Ebenfalls Bingo! Das spricht ebenfalls dafür, dass hier jemand mit viel Enthusiasmus und vor allem Sachverstand und Erfahrung bei der Sache ist!

Eine tolle Google-Bewertung, bei der mir das Herz aufgeht!

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Preisgekrönte Hochzeitsbilder im Portfolio

Kann euer Wunschfotograf eine Reihe von Auszeichnungen aufweisen? Wenn ja, kann auch das ein Hinweis darauf sein, dass er regelmäßig und mit viel Einsatz an national und international ausgeschriebenen Wettbewerben teilnimmt – was wiederum darauf schließen lässt, dass er es nicht scheut, seine Bilder mit anderen Fotografen zu messen und sich der objektiven Beurteilung einer sehr kritischen internationalen Jury, bestehend aus wechselnden fachkundigen Juroren, zu stellen. Die Auseinandersetzung mit Awards kann den Blick für Details schärfen und zwingt mich als Fotograf, mich überaus intensiv mit der eigenen Bildsprache auseinanderzusetzen: warum ich eigentlich so fotografiere, wie ich fotografiere.

Am Ende sind Awards aber nur die logische Konsequenz von guter Reportage-Fotografie: Eure Story – meine Hochzeitsreportage also – ist wie eine super-leckere riesige Erdbeertorte. Und Awards sind dann wie das kleine, aber feine Sahnehäubchen oben drauf.

Mit diesem Award fing alles an. Mein erster Award bei den „Masters“ Anfang 2017.

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Backup-Equipment und Datensicherung

Ein weiterer Indikator für die Zuverlässigkeit eures Wunschfotografen ist zum einen, dass er Ersatz-Equipment dabei hat und im Falle des Falles, dass die Kamera kaputtgehen sollte, nur kurz mit der Schulter zuckt und in Sekunden die Ersatzkamera aus der Tasche holt. Oder die Ersatz-Objektive.

Ein guter Hochzeitsfotograf darf sich darüber hinaus auch nicht anmerken lassen, wenn mal irgendetwas nicht so funktioniert, wie er es sich vorstellt. „Ruhe bewahren!“ ist das A und O! Stellt euch einen panisch wie ein aufgescheuchtes Huhn umher laufenden Hochzeitsfotografen vor, weil z.B. zwei Blitze abgeraucht sind oder die Speicherkarte den Dienst verweigert. Solche Unruhe wäre in höchstem Maße unprofessionell. Egal was passiert, der Fotograf muss Ruhe und Gelassenheit verströmen, denn alles andere würde für Unsicherheit und Stress beim Brautpaar und den Gästen sorgen.

Fragt euren Wunschfotografen auch, ob und welche doppelte (oder gar dreifache) Datensicherungen er nutzt. So sicher heutige Technik auch sein mag, irgendetwas kann immer passieren! Das ist wie bei einer Versicherung: Man hofft natürlich, dass nichts passiert und man sie niemals in Anspruch nehmen muss – aber wenn dann doch mal etwas passieren sollte, bleibt man entspannt und muss sich um nichts sorgen.

Transparenz in der Kommunikation

Ebenfalls nicht unwichtig ist die Transparenz in der Kommunikation mit eurem Wunschfotografen. Idealerweise erklärt er euch genau, wie eine Buchung bei ihm abläuft, was seine Bildsprache und Arbeitsweise auszeichnet etc. Ich z.B. telefoniere nach einer hereingekommenen Anfrage sehr zeitnah mit dem Brautpaar und idealerweise mit beiden gemeinsam am Telefon. Schließlich ist es die Hochzeit von euch beiden und so vermeidet man zeitraubende und eventuell Missverständnisse hervorrufende „Stille Post“.

Es gibt Fotografen, die ohne Vertrag arbeiten, aber dann ist die Unsicherheit nicht nur auf Seiten des Fotografen viel höher. Es kommt nicht selten vor, dass ein (relativ günstiger) Fotograf trotz mündlicher Zusage des Paares kurz vor der Hochzeit den Auftrag aus heiterem Himmel absagt – weil er Muffensausen bekommen hat oder einen anderen Auftrag ergattern konnte, wo er 100€ mehr verdient. Das ist kein Witz, sondern leider bittere Realität.

Ein Vertrag schafft also für beide Seiten die nötige Sicherheit und auch Vertrauen. Ihr als Paar könnt euch sicher sein, dass nach Unterschrift des Vertrages und  Überweisung einer Reservierungs-Anzahlung (üblich sind 25 bis 50% vor der Hochzeit) der Termin für euch fest geblockt ist. So könnt ihr euch in aller Ruhe den anderen Punkten auf euer Organiations-To-Do Liste widmen und euch 100%ig auf euren Hochzeitsfotografen verlassen! Und auch eur Hochzeitsfotograf hat die für ihn nötige Sicherheit und kann dann etwaige doppelte weitere Anfragen für dieses Datum an seine Kollegen weiterleiten.

Netzwerke

Apropos Kollegen! Auch das ist ein Punkt, bei dem ihr bei eurem Wunschfotografen nachhaken solltet: Was ist z.B. für den Fall geregelt, dass euer Fotograf wegen unerwarteter Umstände – z.B. einer Operation, eines Unfalls oder Krankheit – unter keinen Umständen dazu in der Lage ist, eure Hochzeit zu fotografieren? Auch das ist meist im Vertrag schwarz auf weiß geregelt.

So hat ein verantwortungsbewusster Hochzeitsfotograf in der Regel ein großes und stetig wachsendes Netzwerk aufgebaut und kann im größten Notfall auf einen riesigen Pool von ebenfalls hochqualifizierten und vertrauenswürdigen Kollegen zurückgreifen, sodass sich im Fall des Falles immer jemand findet, der für ihn einspringen und die Reportage fotografieren kann.

Licht! Licht! Licht!

Fotografie bedeutet nicht umsonst „Schreiben mit Licht“. Genau das tut ein Fotograf. Daher schaut euch unbedingt die Bilder eures Wunschfotografen an und beobachtet, ob und wie er auch mit widrigen Lichtverhältnissen umgehen kann.

Ein Beispiel für die Nutzung von Blitzlicht bei Tageslicht, ohne dass man merkt, dass ein Blitz genutzt wurde.

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Es gibt Hochzeitsfotografen, die ganz bewusst nur mit „Available Light“ (also nur mit vorhandenem natürlichen Licht) arbeiten. Unter diesen gibt es wiederum welche, die aus Prinzip keine Blitze nutzen, obwohl sie es können –  aber eben auch einen Großteil, der sich hinter der Behauptung, nur mit vorhandenem Licht zu arbeiten, versteckt – weil er es nicht kann oder nicht können will.

Für mich persönlich bleibt Licht immer Licht, ob Sonnenlicht oder Blitzlicht. Blitze sind immer verfügbar, daher sind Blitze in meinen Augen auch de facto „Available Light“. Darüber kann man streiten, trotzdem  habe ich recht. Mit dem Einsatz von Blitzen kann man den Tag zur Nacht machen, extrem kreativ sein und sich vor allem von allen nur erdenklichen widrigen Lichtverhältnissen unabhängig machen.

Dieses Bild ist mit 2 Blitzen entstanden – tagsüber.

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Eure Prioritäten – oder: Was kostet der Spaß?

Der letzte Punkt ist sicherlich auch einer der meist diskutierten (nicht nur unter uns Hochzeitsfotografen):
Der Preis! So wie es Hochzeitsfotografen wie Sand am Meer gibt, so sehr unterscheiden sich auch die Honorare. Die Frage, was ein Hochzeitsfotograf kostet, ist im Grunde aber genauso unmöglich zu beantworten wie die Frage, was ein Auto kostet. Man muss die Frage also anders formulieren, und sie müsste bzw. die Fragen müssten eher so klingen:

Welche Priorität hat für euch der Part mit den Fotos? Wie wichtig ist euch wirklich erstklassige fotografische Arbeit?

Was wiederum zu einer einzigen gültigen Antwort führt: Ein Hochzeitsfotograf kostet exakt das, was er euch wert ist. Aber auch genau das, was er sich selbst wert ist. Wenn sich diese beiden Werte decken: Chapeau!

Ich persönlich bin übrigens ein Vertreter der Ansicht, dass kein Hochzeitsfotograf, der etwas von sich hält, seine Preise auf der Webseite stehen haben sollte. Denn ein Preis auf der Webseite ist wie ein Preisschild und lenkt den Blick ab vom Wesentlichen: Sympathie, Bildsprache, etc. Mit einem Preisschild macht man sich austauschbar, man wird zur Stangenware.

Einige Kollegen werden nun empört aufschreien und protestieren ob meiner Wortwahl. Aber das ändert dennoch nichts an den Realitäten. Ich selbst habe schon viele Paare durch ein direktes persönliches Gespräch davon überzeugen können, ihr Budget zu überdenken. Ich möchte einfach kein Fotograf sein, der sich allein über den Preis definiert.

Aber was kostet denn nun ein Hochzeitsfotograf? Wie gesagt, diese Frage ist eigentlich nicht zu beantworten. Zwischen 0 und 5000€ und mehr ist alles möglich. Man kann aber als Richtlinie für die Schwelle, ab der man Honorare als angemessen bezeichnen kann, einen Stundensatz ab 250€ annehmen, eher sogar höher. Natürlich gibt es auch Paare, die allein auf den Preis schauen, und auch das ist vollkommen in Ordnung. Man sollte sich nur über eines im Klaren sein:

Wer (sehr) billig will, bekommt in der Regel (sehr) billig. Klar gibt es auch Ausnahmen, aber es heißt ja nicht umsonst „Ausnahmen bestätigen die Regel“.

Wenn ihr es nun bis hierhin geschafft habt, dann danke ich euch ganz herzlich für eure Aufmerksamkeit und euer Interesse! Ich hoffe, dass ich euch als Brautpaar in spé auf der Suche nach eurem Wunschfotografen für eure Hochzeitsreportage nun zumindest einige eurer offenen Fragen beantworten konnte und ihr einiges nun klarer seht. Ich drücke euch die Daumen, dass ihr genau den Fotografen findet, der zu euch passt!

In diesem Sinne, Ahoi & enjoy!
Euer Rossi 🙂

Zum Abschluss noch eine kleine Story einer Tagesreportage auf Schloss Rauischholzhausen. Viel spaß!

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